Stand 3. Februar 2026 sind es noch zwei Tage bis zur Trade-Deadline (5. Februar, 15:00 Uhr ET) – und damit beginnt in jeder Saison derselbe Endspurt: Entscheider wägen kurzfristige Verbesserungen gegen langfristige Flexibilität ab, während Coaches im Hinterkopf bereits April-Minuten zusammenpuzzeln. Die bislang bestätigten Deals zeigen schon jetzt zwei typische Deadline-Wege: Entweder geht ein Team gezielt auf Star-Qualität und Shot-Creation, oder es stabilisiert die Rotation mit verlässlichen Spezialisten für klare Rollen.
Bestätigte Deals bisher: wer wechselte – und warum das wichtig ist
Der bisher grösste Move der Saison 2025/26 ist Washingtons Trade für Trae Young aus Atlanta im Tausch gegen CJ McCollum und Corey Kispert. Für die Wizards ist das eine klare Wette auf Elite-Creation und Late-Clock-Offence – genau jene Fähigkeit, die in engen Spielen oft den Unterschied zwischen Play-in und echter Play-off-Tauglichkeit macht. Für die Hawks wirkt das Paket wie ein Kurswechsel: McCollum bringt sofortige, routinierte Scoring-Power, Kispert liefert Shooting von aussen – stabilisierend, aber auch ein Hinweis darauf, dass Atlanta sein Zeitfenster neu ordnet.
In der wichtigsten Mehr-Team-Transaktion dieser Deadline-Phase holte Cleveland Dennis Schröder und Keon Ellis (plus Two-Way-Spieler Emanuel Miller) in einem Drei-Team-Deal, der De’Andre Hunter nach Sacramento sowie Dario Šarić und zwei künftige Second-Round-Picks nach Chicago schickte. Der praktische Kern ist Tiefe und Optionen: Cleveland bekommt einen zusätzlichen Ballhandler für Bench-Units und mit Ellis einen Guard-Defender; Sacramento ergänzt einen Wing für flexible Line-ups; Chicago wandelt Veteranenwert in Draftkapital um und nimmt Šarić als Teil der Konstruktion auf.
Atlanta gab zudem Vít Krejčí an Portland ab und erhielt Duop Reath sowie zwei Second-Round-Picks. Solche Trades gewinnen selten Schlagzeilen, können aber die Margen verändern: Portland fügt ein Perimeter-Puzzlestück für die Rotation hinzu, Atlanta sammelt Draft-Value und erhöht seine Beweglichkeit für spätere Deals. Entscheidend ist hier vor allem das Signal – Portland schärft Rollen, Atlanta häuft Verhandlungsmaterial an.
Wie diese Trades Rotationen, Spacing und Match-ups verändern
Young in Washington verändert sofort, wie Gegner verteidigen. Teams, die zuvor leichter switchen konnten, werden das gegen einen High-Usage-Pick-and-Roll-Creator mit Pull-up-Reichweite nicht mehr so frei tun. Daraus folgt: Washingtons Bigs und Weak-Side-Shooter werden zentral. Bestrafen sie Help-Defence konsequent, steigt das gesamte Offence-Niveau; gelingt das nicht, werden Gegner die Zone zustellen und den Ball aus Youngs Händen zwingen.
Clevelands Zugänge wirken weniger wie „mehr Star-Power“ und mehr wie „mehr funktionale Minuten“. Schröder liefert eine zweite Organisationsebene, wenn der Start-Guard pausiert – und kann verhindern, dass die Offence in zähen Isolations festhängt. Ellis ist ein Verteidiger, dem Coaches in kurzen Play-off-Stints vertrauen: Full-Court-Pressure, über Screens kämpfen, an Movement-Shootern dranbleiben. Damit gewinnt Cleveland ein Werkzeug für spezifische Match-ups statt nur eine allgemeine Bank-Option.
Sacramentos Hunter-Trade ist ein typischer Deadline-Problemlöser: ein Wing, der defensiv hochschalten kann, offene Dreier trifft und in Line-ups mit mehr Länge nicht an Tempo verliert. In einer First-Round-Serie kann das den Unterschied machen zwischen „verstecken“ und tatsächlich contesten gegen den besten Scorer des Gegners. Gleichzeitig entlastet so ein Spieler Stars, weil sie nicht jede Nacht die härtesten Assignments übernehmen müssen.
Worauf man bis zum 5. Februar achten sollte: plausible Muster und echte Grenzen
Zwei Realitäten prägen fast jede Verhandlung. Erstens geht es nicht nur um Fit, sondern auch um Roster-Regeln und Flexibilität. Teams nahe an den entscheidenden Payroll-Schwellen können nicht einfach „noch einen Vertrag“ aufnehmen, ohne Folgen. Deshalb sieht man mehr Drei-Team-Strukturen, mehr Second-Round-Picks als Schmiermittel und häufiger Deals, bei denen ein mittlerer Vertrag gegen zwei kleinere getauscht wird.
Zweitens teilt sich der Markt in Käufer, die einen Play-off-Rotations-Upgrade brauchen, und Verkäufer, die Zukunftswert wollen, ohne sich langfristig zu blockieren. Käufer jagen meist zwei Profile: Creator, die Set-Defences knacken, und Wings, die in den Play-offs nicht aus der Rotation gespielt werden. Verkäufer bewegen häufig Veteranen, deren Minuten intern ersetzt werden können – vor allem dann, wenn sich daraus Picks machen lassen, die später als Trade-Währung dienen.
Bei Gerüchten lohnt sich eine klare Trennung zwischen „Gesprächsstoff“ und „Substanz“. Berichte über mögliche Superstar-Szenarien (unter anderem rund um Giannis Antetokounmpo) waren präsent, ebenso Spekulationen über James Harden, während Teams prüfen, ob es eine beidseitig sinnvolle Lösung geben könnte. Solange nichts offiziell ist, sollte man das als Druckmittel und Positionsspiel lesen – und stärker darauf achten, was Teams unter Regeln, Verträgen und Zeitfenstern realistisch zusammenstellen können.
So liest du Deadline-Gerüchte wie ein Profi – ohne dich blenden zu lassen
Beginne mit den Anreizen. Ein stabiles, erfolgreiches Team tradet selten mitten in der Saison einen Star – ausser die Beziehung ist beschädigt oder die langfristige Richtung kippt. Teams im Mittelfeld spielen dagegen eher mit grossen Namen, um sich neu zu positionieren. Die besseren Front Offices priorisieren dennoch Moves, die April-Basketball verbessern – nicht Februar-Überschriften.
Als Nächstes kommt die Vertragslandkarte. Deals mit mehreren mittleren Verträgen und Picks sind kurzfristig leichter zu bauen als echte Blockbuster, die perfektes Salary-Matching und mehrere Zustimmungsebenen brauchen. Wenn ein Gerücht drei Teams, zwei Starter und einen Paketstapel an Picks erfordert, kann es passieren – aber es ist fragil, und ein einziges „Nein“ kann alles kippen.
Schliesslich verraten Coaches oft mehr als GMs. Minuten sind ein Vertrauenssignal. Wenn die Rolle eines Veterans zwei Wochen lang still schrumpft, ist das häufig ein Hinweis, dass ein Trade möglich ist. Wenn ein junger Spieler plötzlich jede Chance bekommt, auch durch Fehler hindurch, prüft die Organisation oft, ob er Teil des künftigen Kerns ist – oder ein wertvoller Chip für den nächsten Deal.

Play-off-Auswirkungen: wie sich das Bracket durch diese Moves verschieben kann
Washingtons Wette auf einen primären Creator erhöht die Decke in einzelnen Spielen – genau das, was du brauchst, wenn du in vielen engen Endspielen landest. In den Play-offs werden Schwächen konsequent gejagt; die Gegenantwort ist jemand, der auch dann gute Würfe erzeugt, wenn Plan A und Plan B weggenommen werden. Baut Washington passende Line-ups um Young herum – Shooting, eine verlässliche Roll-Option und Verteidiger, die rotieren können – verbessert sich die Serien-Perspektive sofort.
Atlantas Seite des Young-Trades ist subtiler, aber ebenfalls relevant für April. McCollum kann eine Offence ordnen, und Kispert zwingt Defences durch Movement-Shooting zum Hinterherlaufen, was Räume für andere Creator öffnet. Entscheidend bleibt, ob Atlanta defensiv play-off-tauglich wird – in der Eastern Conference ist das oft der Unterschied zwischen „wettbewerbsfähig“ und „in fünf raus“. Der nächste Schritt muss nicht zwingend ein weiterer Trade sein, sondern eine klarere Identität und konsequente Umsetzung.
Cleveland und Sacramento wirken wie Teams, die vorhandene Werkzeuge schärfen. Clevelands Guard-Tiefe reduziert die Minuten, in denen die Offence stockt – wichtig in einer Sieben-Spiele-Serie, in der der Gegner deine Muster lernt. Sacramentos zusätzlicher Wing gibt mehr Antworten gegen grössere Scorer und hilft, Overhelp zu vermeiden, wo Play-off-Possessions oft kippen. Kein Move garantiert einen tiefen Run, aber beide senken die Wahrscheinlichkeit, dass ein einziges Match-up-Problem die Serie entscheidet.
Drei praktische Folgen, die du im April erwarten solltest
Erstens werden Rotationen kürzer – und der Wert von „keine Schwachstellen“ steigt. Deshalb sind Wing-Defender und sekundäre Ballhandler zur Deadline fast immer teuer. Ein Team braucht nicht acht neue Spieler, sondern zwei Line-ups, die gegen Elite-Gegner überleben, ohne Punkte zu verschenken.
Zweitens wird Half-Court-Offence zum König. Der Wizards-Trade ist genau das Eingeständnis. Wenn Transition-Chancen weniger werden, gewinnen meist Teams mit einem verlässlichen Pick-and-Roll-Motor und dem Shooting, das diese Struktur trägt – über sieben Spiele setzt sich das oft durch.
Drittens laufen die Ripple-Effekte nach der Deadline weiter. Teams, die schneller integrieren, holen sich oft einen Seeding-Vorteil – und Seeding bestimmt Match-ups. Ein kleines Februar-Upgrade kann im April gross wirken, weil es am Ende Home-Court in einer 4–5- oder 3–6-Serie bedeutet.